Lesen

Hauptsache nichts mit Menschen

Als ich das Buch Hauptsache nichts mit Menschen* von Paul Bokowski zuhause aufgeschlagen habe, war ich enttäsucht: Briefe und Kurzgeschichten. Zweiteres mag ich eigentlich, aber Briefe sind für mich seit Rainer Maria Rilke schreibt an irgendwen, ziemlich schwer erträglich. Aber ich wollte nicht schon wieder ein Buch, das ich eindeutig nur sehr kurz begutachtet habe, im Regal verstauben lassen. Also, kämpf ich mich da durch, dachte ich mir. Erstaundlicherweise stellte sich bald heraus, dass ich von meinen Brief-Vorturteilen völlig fehlgeleitet war: Paul Bokowski ist göttlich!

Es ist unglaublich, was der Autor so erlebt und immer wieder kommt mir der Gedanke, dass ich froh bin, nicht in seiner Haut zu stecken. Obwohl ich so nie live erleben werde, wie es sich bei einer Schlager-Nackt-Party anfühlen wird, wie es einem NPD-Wähler mit Migrationshintergrund so geht, oder wie die Crew von IKEA bei der Weihnachtsfeier richtig abfeiert. Doch zumindest die hypochondrischen Neurosen kommen mir schon recht bekannt vor.

So ist man am Ende des Buches vielleicht um keine graviernde Erkenntnis reicher, aber immerhin wurde man eine kurze Zeit richtig gut unterhalten. Nicht umsonst wird Paul Bokowski als Woody Allen der Berliner Autorenszene gehandelt.

Unbedingt lesenswert – ich hol‘ mir auf jeden Fall den Nachfolger.

 

 

*ja, das ist ein Affiliate-Link.

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