Leben

Über Nacht in Tracht.

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Feuerwehrfeste, Kirchtage und Dorffeste lass ich generell gerne aus. Ich bin nicht der allergrößte Fan von Tracht. Also wenn du in deinem Original-300-Einwohner-Seelen-Dorf-Dirndl kommst, das von glücklichen NäherInnenhänden aus deiner Region gefertig ist – feier ich das! Aber dein leicht entflammbares Dreischilling-Fuffzich-Dirndl, dass du dir online bei www.einfachbayrischguart.de (oder so ähnlich) bestellt hast, wo deine Weiblichkeit quasi aus dir rausplumpst – das gefällt mir schlicht und einfach nicht. An diesem Wochenende meinte eine Freundin: komm, wir gehn auf den Neustifter Kirtag. Ich war da noch nie. Ich wusste auch nicht was da passiert, aber ich hatte unglaubliche Lust einen Abend mit guten Menschen zu verbringen. Außerdem lag mir der Geschmack von Spritzer schon den ganzen Tag auf der Zunge. Ich glaube, dass mit dem Gusto liegt generell an dem Wort ‚Samstag‘.

Weil ich auch kein Assi sein wollte, der da in den Mini-Jeans aufkreuzt, habe ich mir gedacht: gut, dann presst du dich halt mal in das Ungetüm rein. Ich habe davor noch nie ein Dirndl getragen. Ich musste mir während meiner Ausbildung zwar mal eins nähen, das besteht aber aus einem Mieder und einem sehr weiten Tellerrock in einem wahnsinnig lauten Blumenstoff und wenn ich total ehrlich bin, habe ich den Verschluss nie fertig gemacht – hey, das ist Handarbeit und ich bin eben ungeduldig. Irgendwann mach ich das schon noch.

In einem Anfall von Euphorie habe ich eben dieses Dirndl irgendwann mal auf Ebay gekauft. Es hat maximal 25 Es gekostet. Ich bin nicht so pro Second-Hand-Klamotte und schon gar kein schon-mal-getragen-Schuh Typ Mensch. Ich würde das gerne ändern, aber ich fühle mich da einfach nicht besonders wohl damit. Auch wenn ich viele Leute kenne, die ausschließlich already-used tragen und ich das bewundere, will das bei mir mit dem guten Gefühl einfach nicht klappen. Dass ich mir dieses Kleid gekauft habe ist Jahre her, wenn ich überlege weiß ich nicht, ob es da tatsächlich den Euro schon gab. Als es ankam war es derart gesteift, dass ich einfach annahm, es war direkt davor in der Reinigung, deswegen ist das Tragen irgendwie ok. Außerdem sitzt es nach wie vor wie eine zweite Haut. Eine zweite Haut in der ich zwar schlecht atmen kann, im Sitzen so gut wie gar nicht, aber Dirndl sind halt auch knacken-eng.

Bevor ich mein Schuhwerk sorgfältig gewählt hatte, haben zwei Freundinnen schon gespaßelt, welche Kicks ich wohl dazu tragen würde. Als ich dann wirklich mit welchen vor ihnen stand, tat der einen, ich zitiere ‚tatsächlich im Herzen weh, aber wenn das schon sein muss, dann lass doch bitte wenigstens die Bauchtasche weg.‘ Das habe ich dann eingesehen und mich für eine Vintage Croco-Handtasche entschieden (jetzt bitte kein Haten, ich glaub sie ist nicht echt und ich war mit dem Krokodil-Song, den ich den ganzen Abend im Ohr hatte, schon genug gestraft). Weil die weißen Air Max 90 sich laut anwesender Ladyschaft gebissen haben, habe ich mich für die PUMA AIRL „WHITE“ entschieden. Das war besonders clever: Auf dem Kirtag war eine gefühlte Mio Menschen und alle hatten das Bedürfnis, mir einmal so richtig schön auf meine Turnschuhe zu latschen. Zwar wurden meine PUMA AIRL schon mehrfach tot gesagt, aber sie erstehen immer wieder auf, aus dem Pool der Beater-Sneakers und erstrahlen nach stundenlangem Putzen in freshem Weiß. Wie ich die Dinger wieder blitzeblank bekomme zeig ich dir dann in den nächsten Tagen. Wenn mich die Muse findet, das PROBLEM zu bearbeiten.

FAZIT: Meine people waren begeistert von der Kombi und ich schwöre, ich habe noch nie so viele sehnsüchtige Blicke bekommen wie gestern. Von Frauen in Hochschuhen.
Tracht und Sneaker funktioniert also. Aber ein bisschen guter Wille sollte schon dabei sein, damit du nicht aussiehst als hättest du vorher eine Runde Tennis gespielt und die Wechselschuhe vergessen. Im Zweifel – immer schön auf der zarten Seite bleiben.

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